1. Neue Arbeitsplätze?
2. Tavernen und Geschäfte am Containerhafen?
3. Ökologische Probleme
4. Containerhafen und
Tourismus
5. Makro- und
Mikroökonomische Aspekte
6. Der Protest
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Nun schon über ein Jahr lang berichten griechische Zeitungen gelegentlich über die Planungen eines Containerhafens in der Messara. Unterdessen ist es mehr als ein Gerücht. Es existieren bereits Rahmenvereinbarungen zwischen der griechischen Regierung und Investorengruppen aus China, Südkorea und aus den Emiraten. Nach Informationen seriöser Tageszeitungen in Europa, insbesondere in Deutschland, scheint der Bau des Containerhafens bereits ein beschlossenes Projekt zu sein. Für den aus Kreta stammenden Europaparlamentarier Jorgos Chatzimarkakis ist das Projekt „unaufhaltsam angeschoben“.
Bei den vielen Gesprächen vor Ort musste ich erfahren, dass der Informationsstand über die Dimensionen und Belastungen eines derartigen Hafens nicht sehr hoch ist. Seitens der Regierung gibt es keine detaillierten Informationen, Anfragen und Petitionen bleiben wie in Griechenland üblich unbeantwortet.
Einige Befürworter des neuen Containerhafens träumen von einer Dynamisierung der Region, von einem wirtschaftlichen Aufschwung, von vielen neuen Arbeitsplätzen und neuen Einkommensquellen. Aber: Ist das nicht eine Illusion?
1.Fakten und Probleme:
1. Neue Arbeitsplätze?
Bei dem geplanten Containerhafen handelt es sich nicht um einen neuen mittelgroßen Hafen für Personenschiffe, für Frachtschiffe, die griechische Erzeugnisse exportieren, für Fischerboote, sondern um einen groß dimensionierten Transithafen zur Distribution von Containern! In allen bekannten Rahmenvereinbarungen ist entsprechend auch ausschließlich von einem „Transit Harbour“ die Rede, von nichts anderem. Es geht darum, dass Container auf dem Weg von Asien nach Europa und umgekehrt (so lange Europa noch etwas nach Asien zu exportieren hat aus den U.S.A. fahren unterdessen immer mehr Schiffe leer nach Asien zurück) von einem Containerschiff auf ein anderes umgeladen werden und hier nur für kurze Zeit zwischengelagert werden. Lokale Produkte wie Tomaten, Gurken, Olivenöl werden definitiv nicht aus diesem Hafen exportiert werden. Ein derartiger Transitcontainerhafen ist ein riesiges Ghetto mit scharfen Zugangsbeschränkungen.
Der Traum von vielen neuen Arbeitsplätzen erscheint als ein kurzer Traum. Lediglich in der Bauphase dürfte es zu zusätzlichen Arbeitsplätzen und einigen Aufträgen der Betreiber kommen, wenn überhaupt griechische Firmen mit diesen Aufgaben betraut werden. An bestehenden modernen Containerhäfen ist zu sehen, dass sie wie riesige Geisterstädte wirken. Von Computern und von GPS gesteuerte riesige unbemannte Kräne bewegen die Container in enormer Geschwindigkeit. Die vollautomatisierten modernen Containerhäfen sind computergesteuerte, digitalisierte Orte. Sehr wenige hochqualifizierte Kräfte steuern diese Bewegungsabläufe. Daneben wird es einige schlecht bezahlte Hilfsarbeiten am Boden geben. Es ist bekannt, dass in Kreta bei derartigen einfachen Hilfsarbeiten nicht Einheimische, sondern Personen aus Albanien, Moldawien, aus der Ukraine, aus Polen etc. eingesetzt werden. Die Hoffnung auf viele neue Arbeitsplätze für den heimischen Arbeitsmarkt erscheint also als Trugschluß.
Die Sicherheitsexperten der „US Customs and Border Protection“ schätzen 9 % der Container hoch risikoreich ein (Waffen, Drogen, Materialien für Terrorismus, illegale Waren etc). Experten durchleuchten die Container mit Isotopen-Detektoren. Ob aber diese Sicherheitstätigkeiten in einem reinen Transithafen, in dem nicht importiert wird, benötigt werden, muss bezweifelt werden. Allerdings wird es an den hohen Mauern und an den wenigen Zugangsmöglichkeiten dieses Ghettos Wächter geben. Erträumte neue Arbeitsplätze?
2. Tavernen und Geschäfte am Containerhafen?
Containerschiffe sind riesige Monsterschiffe, wie sie in der Region noch nie gesehen wurden. Das Gebiet des Militärflughafens würde nie und nimmer für dieses Großprojekt ausreichen. Große Teile des Meeres in Richtung Kommos Beach und Matala müssten erschlossen werden und tiefe Fahrrinnen entlang der Küste ausgehoben werden. Bei den Containerschiffen handelt es sich um 200m bis 300m lange Kolosse mit einer Kapazität von 1 500 bis 8 000 Container, die neunfach unter Deck und siebenfach auf dem Deck übereinandergestapelt sind: also bis zu 16 Container übereinander! Das griechische Schiffahrtsministerium geht von täglich ca. 50 Containerschiffen aus, die in Timbaki be- und entladen werden, bzw. durch die Bucht fahren.
Rund um die Uhr wird es unglaublichen Lärm sowohl im Hafen als auch in der Bucht geben.
Containerschiffe werden in der Regel für 5 Jahre zu einem festen und garantierten Betrag von je nach Größe 10 000,00 US $ bis zu 30 000,00 US $ pro Tag verchartert. Es gilt hier allgemein und weltweit die Regel „liegen kostet fahren bringt“. Es ist im Interesse der Betreiber, dass die Liegezeiten extrem kurz sind. Entsprechend werden die Schiffe gleichzeitig be- und entladen bei einer Liegezeit von deutlich unter 24 Stunden.
Einige Anwohner träumen von neuen Geschäften, Restaurants und Nachtclubs rund um den Hafen. Doch auch das erscheint als Illusion. Die kleinen Besatzungen der Schiffe, zwischen 11 und maximal 25 Personen (zumeist Philippinos), werden diese bei den kurzen Liegezeiten kaum verlassen und wenn, dann hätten sie bei den schlechten Löhnen kaum Geld, dass sie ohnehin für ihre Familien zu Hause sparen. Seeleute mit Ringelpullover, einem Seesack und mit einem Papagei auf der Schulter, die eine Woche in Timbaki bleiben und sich dort amüsieren wollen, wird es definitiv nicht geben.
Das derzeit größte Containerschiff „Emma Maerks“ ist 398m (!) lang 4 X so groß wie der Fußballplatz von Timbaki und beladen höher als das höchste Haus der gesamten Region, die große Fähre nach Piräus würde daneben wir ein kleiner Ausflugsdampfer aussehen und hat eine Kapazität von über 11 000 Containern. Auf diesem modernen Schiff arbeiten nur 17 Personen! Als dieses Monsterschiff kürzlich im neuen Containerhafen von Bremerhaven anlegen wollte, mussten nachträglich von internationalen Spezialfirmen 425.000 Kubikmeter Sand aus dem Meer gebaggert werden, damit das Schiff überhaupt anlegen und wenden konnte.
3. Ökologische Probleme
Der ökologische Schaden für die gesamte Region erscheint evident. Nicht nur die Meeresschildkröte Caretta Caretta mit ihren Nistplätzen unmittelbar neben der geplanten Fahrrinne, auch viele andere bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind betroffen. Lokale und internationale Biologen und Umweltschützer haben endlich angefangen das zu erwartende Ausmaß dieser Belastungen und Bedrohungen zu präzisieren und entsprechende juristische Abwehrmaßnahmen einzuleiten.
Die Verschmutzung des Meeres und der Strände, nicht nur in der betroffenen Bucht, wird unvermeidlich sein! Neben dem kontinuierlichen höheren Wellenschlag an der gesamten Küste, dürfte für Badende und für kleinere Boote die häufig unterschätzte zu große Nähe zur enormen Sogwelle der fahrenden Schiffe zu einer lebensgefährdenden Angelegenheit werden.
Zusätzlich ist bekannt, dass diese Schiffe immer Mikroben und diverse Tiere aus den fernen Häfen mit einschleppen. Erst in 10 Jahren sind die Großschiffe dazu verpflichtet ihr in fernen Häfen aufgenommenes Ballastwasser (zur Stabilisierung der Schiffe) auf hoher See und nicht im Landehafen auszutauschen. Dennoch wird es immer zu artenfremden Einschleppungen hier bisher unbekannter Meeresorganismen aus fernen Gewässern kommen. Biologen haben über 1 000 verschiedene Tier-und Pflanzenarten nachgewiesen, die als blinde Passagiere mit den großen Schiffen um die Welt reisen. In der Themse in England treibt unterdessen eine asiatische Riesenkrabbenart ihr gefräßiges Unwesen, in den U.S.A. verbreitet sich die eingeschleppte und alles rohrhafte verstopfende Zebramuschel, in der Ostsee erzeugen die aus den Tropen eingeschleppten Schiffsbohrwürmer immensen Schaden an hölzernen Hafenanlagen und an Holzschiffen.
Die Lärm- und Lichtemissionen werden enorm sein und die gesamte Region in einem unerträglichen Ausmaß belasten. Da sind dann nicht nur die weit hörbaren unterschiedlichen Brummtöne der hin und her fahrenden Monsterschiffe eine Belastung, auch während des Be- und Entladens laufen die riesigen Dieselmotoren ständig zur Energieerzeugung. Diese akustische Umweltverschmutzung wird Tag und Nacht existieren.
Tausende von starken Scheinwerfen werden 365 Nächte pro Jahr einen enormen und weit sichtbaren Lichtkegel erzeugen. Der freie Blick auf den hier besonders klar leuchtenden Sternhimmel wäre vorbei. Und das alles an dem Ort, wo Zeus, der Gott der Götter, geboren wurde. Zeus bedeutet der Leuchtende (dyaus = Glanz,Himmel, Helligkeit). Die Griechen haben den lichten Himmel zu ihrem höchsten Gott gemacht. Auch Henry Miller zog es an diesen Ort. Er kommt hier an Kretas Südküste zu dem Schluß, dass diese verlockende Erfahrung der Himmelsnähe eine rauschhafte Suche nach kosmischer Weite auslösen kann: „Hier möchte man im Himmel baden, sich in das Blau des Himmels stürzen, man möchte in der klaren Luft schweben wie ein Engel.“ Wir verbringen einen großen Teil unseres Lebens hier wegen der hohen Lebensqualität. Die Ruhe, die klare Luft und das Gefühl auf angenehme Art dem Himmel näher zu sein gehören dazu. Angesichts des drohenden Containerhafens käme dem kretischen Lyraspieler und Sänger Psarantonis hoch oben auf dem Psiloritis nicht mehr in den Sinn Steine zum Mond werfen zu wollen, er würde sie wütend auf den ständig lärmenden Moloch mit seinem künstlichen Lichtpegel werfen.
Seriöse und faire Machbarkeitsstudien dürften schnell zu Tage fördern, dass der enorme Energie- und Wasserbedarf eines Containerhafens durch die vorhandenen Resourcen nicht gedeckt werden kann. Und das in einer Region, die angesichts der Bodenerosionen (Abholzung, Überweidung, Brände) tendenziell ohnehin an Wasserknappheit zu leiden droht.
Sicher wird es von einigen zunächst destruktive Bemerkungen geben: gerade ihr in der Messara kommt jetzt plötzlich mit Umweltschutz! Ist es nicht das Gebiet mit intensiver Pestizidlandwirtschaft und mit einer steigenden Krebsrate? Ist nicht euer Meer am Boden voll mit einer Schicht aus Plastik und droht perspektivisch umzukippen? Gibt es nicht bei euch eine offen brennende Mülldeponie? Fehlen bei euch nicht moderne Klär- und Abwasserrecyclinganlagen? Aber: Kann es nicht im Kontext der begründeten Abwehr des Containerhafens zu einem Umdenken kommen? Die gesamte Region eignet sich zum Beispiel fantastisch für einen neuen Schwerpunkt: „Biologische Früchte, Gemüsesorten und Olivenprodukte aus Südkreta“.
Die Nachfrage nach biologischen Produkten wird in Europa auch wegen der vielen Lebensmittelskandale in allen Ländern in den nächsten Jahren rapide zunehmen. Discounter wie Lidl oder Aldi haben beschlossen, mindestens 20 % ihres Angebots auf derartige gesunde Lebensmittel umzustellen. Andere Supermärkte werden zwangsläufig folgen.
Die gesamte regionale Bauwirtschaft und ihre Zuliefergeschäfte könnten neue Impulse bekommen, wenn der sanfte Tourismus dieser Region auf eine neue qualitative und zeitgemäße Stufe gebracht wird: Renovierung von Hotels und Pensionen mit in der Regel zu dünnen Wänden, zu kleinen Zimmern, Duschen und Toiletten.
Weitere Impulse könnten für die Bauwirtschaft und die regionalen Zulieferbetriebe entstehen, wenn moderne Klär- und Abwasserrecyclinganlagen gebaut würden.
Für all diese Aktivitäten sind Subventionen durch die E.U. denkbar, aber doch nicht für einen Transithafen in einer Agrarlandschaft mit Stränden und sanftem Tourismus!
4. Containerhafen und Tourismus
Sollte der Containertransithafen mit all seinen erwähnten ökologischen Auswirkungen auf die Region Realität werden, dürfte der Tourismus in kürzester Zeit komplett zum Erliegen kommen. Die in den Reiseführern bisher als idyllisch und zum Individualtourismus einladend beschriebene Region würde dann in den selben Büchern als zu meidende Horrorregion beschrieben werden. Tausende Familien, die sich hier mit viel Einsatz eine Existenz aufgebaut haben, werden ihre Subsistenz verlieren. Das betrifft nicht nur die Besitzer und Angestellten von Hotels, Pensionen und Tavernen, sondern auch die vielen kleinen Betriebe und Geschäfte, die einen Teil ihres Einkommens dem Tourismus verdanken: örtliche Reisebüros, Autovermietungen, Gemüsehändler, größere und kleinere Supermärkte, Bäcker, Metzger, Kioske, Tankstellenbetreiber etc. etc.
Die Anzahl derer, die als Folge des Containerhafens gar kein Einkommen mehr oder ein geringeres Einkommen haben werden wird definitiv größer sein als die Anzahl der sehr Wenigen, die zumindest ökonomisch am Hafenprojekt nachhaltig profitieren werden. Das Projekt das Containerhafens wäre also auch unter diesem Gesichtspunkt des zusammenbrechenden Tourismus für viele, viele Menschen in der Region ein ökonomisches Desaster.
5. Makro- und Mikroökonomische Aspekte
Makroökonomisch haben sich die Zentren der Weltwirtschaft im letzten Jahrzehnt drastisch von West nach Fernost verschoben. Noch nie hat es in der Menschheitsgeschichte in kürzester Zeit eine derartige industrielle Explosion gegeben wie in China. Dort werden schon lange nicht nur Spielzeug und billige Kleidung produziert, sondern auch der größte Teil der hochtechnologisierten Geräte wie Computer, Fernseher, Mobiltelefone etc. Das technische know how wurde auf Druck der Chinesen vom Westen gleich mitgeliefert. Jetzt droht für den Westen eine Arbeitsmarkt- und Kaufkraftkatastrophe. Während die Chinesen auf den Import ihnen unliebsamer Waren sehr hohe Schutzzölle erheben, werden die hiesigen Märkte mit Produkten aller Art aus Billigstlohnländern aus Fernost überschwemmt. Europa auf dem Wege zu einer reinen entindustrialisierten Basarökonomie? Doch selbst hier droht jetzt Gefahr: wurden zunächst ganze Fabriken im Westen von China aufgekauft, demontiert und in China wieder errichtet, drängt heute die chinesische Wirtschaft darauf die Distributions- und Verkaufsorte im Westen in ersten Ansätzen selbst in die eigenen Hände zu nehmen: Ergebnis einer Globalisierung, die endlich klare Spielregeln braucht!
Die devote Haltung, die westliche Minister und Industriebosse gegenüber ihren chinesischen Verhandlungs- und Vertragspartner einnehmen, nimmt unterdessen groteske Formen an. Probleme der Menschenrechte (nicht einmal das Recht den Lohn einzuklagen, haben die Millionen chinesischen Wanderarbeiter, die Zensur wurde in diesen Tagen in China gar verschärft), Probleme des Patentdiebstahls und der Piraterie, Probleme der kriminellen Umweltverschmutzung in China (ganze Landstriche sind unterdessen verwüstet, die Gewässer hochgradig vergiftet, die Luft mit globalen Ausmaßen verschmutzt) werden zwar angesprochen, doch die Chinesen sagen brav „Wir nehmen diese Probleme ernst“, lächeln und machen so weiter wie bisher.
Die Verhinderung des Transitcontainerhafens würde an diesen Problemen kurzfristig nichts ändern, doch könnten hier von Europa aus neue Signale ausgehen, von einer Bevölkerung, die sagt: “Wir wollen das nicht mehr länger so und Spielball der kurzfristigen internationalen Profitinteressen sein.“ Immer mehr Wirtschaftexperten warnen unterdessen in scharfen Worten vor den verheerenden Folgen der „import penetration“ für Europa.
Die mikroökonomischen Aspekte des Containerhafens betreffen die Ökonomie Griechenlands. Welche großen und nachhaltigen wirtschaftlichen Vorteile ein von einem ausländischen Firmenkonsortium betriebener Transitcontainerhafen für die griechische Wirtschaft haben soll, kann ich nicht erkennen. Der griechische Staat hat Infrastruktureinrichtungen zu erbringen mit Krediten der E.U. Die Betreiber des Transithafens werden ausländische Investoren sein ein Hafen also in Kontrollhänden von chinesischen, südkoreanischen Geschäftsleuten . Mit welchen Organisationen sie kooperieren, ob nun aus Dubai oder Shanghai, bleibt ihnen überlassen. Einnahmen des griechischen Staates könnten Lizenzgebühren sein doch in welchem Verhältnis stehen diese zu den weiter oben beschriebenen lokalökonomischen und ökologischen Nachteilen für die hier lebende Bevölkerung?
Ungezügelte Kapitalinteressen auf einem globalisierten Markt ohne Spielregeln sind auf kurzfristige Profite gerichtet. In China erleben wir, dass ganze Industrieanlagen im Osten des Landes stillgelegt und demontiert werden, um an anderer Stelle im Westen das Landes wieder errichtet zu werde, weil die Vergütung für die Arbeiter dort 30 Cent statt 50 Cent pro Stunde beträgt.
Was wäre, wenn der Transithafen nach mehreren Jahren nicht mehr rentabel wäre, weil er in seiner Kapazität zu klein oder es woanders billiger wäre? Die wertvollen Anlagen, Kräne und technologischen Steuerungsapparaturen würden sie mitnehmen, der Schrott würde bleiben. Doch wahrscheinlich nicht einmal das China ist wegen des Mangels an Metallen der größte Schrottimporteur. Bleiben würde eine wertlose Ruine.
6. Der Protest
Zwar gibt es
- in fast allen betroffenen Gemeinden Ansätze von Initiativgruppen gegen den Containerhafen
- auf verschiedenen Web-sites und in Internetforen in mehreren Sprachen Verlautbarungen des Protestes
- Petitionen und Unterschriftenaktionen gegen das Projekt
- doch der Widerstand ist noch unkoordiniert und zu wenig spürbar.
Die (noch) hier lebenden Ausländern sind wohl alle gegen den Containerhafen, doch sie können den Protest der kretischen Mitbürger nur unterstützen, keineswegs stellvertretend handeln.
Der Protest muß auf jeden Fall überparteilich sein vor den Problemen der Natur und der allgemeinen Grundlagen unserer Lebensqualität sind wir alle gleich. Das Meer fragt auch nicht die Badenden „Welche Partei unterstützt du?“ und ist bei dem einen kristallklar und bei dem anderen mit Ölklumpen und Krankheitserregern verseucht.
Im Moment scheinen auf skandalöse Weise Fakten geschaffen zu werden. Während ich diese Zeilen Mitte September 2006 schreibe, soll sich nach Medieninformationen eine Delegation aus Südkorea in Timbaki befinden. Dies alles ohne substantielle Informationen der hier lebenden Bevölkerung!
Doch es gibt eine große Chance. Wenn der griechische Schiffahrtsminister Manolis Kefalogionnis er stammt gar von der Nordküste Kretas! - tatsächlich mehrfach verlautet haben sollte, dass das Projekt nicht gegen den Willen der Bevölkerung realisiert wird, dann muß er beim Wort genommen werden! Diese Chance darf nicht vertan werden.
Der Minister und andere Entscheidungsträger sowie ihre Hintermänner müssen mit all den hier aufgeworfenen Fragen und Problemfeldern öffentlich konfrontiert werden. Die in Griechenland übliche Strategie die Bevölkerung uninformiert zu lassen um sie dann mit vollendeten Tatsachen zu konfrontieren, muß durchbrochen werden. Mitte Oktober stehen Kommunalwahlen an wie stehen die Kandidaten, die sich politisch betätigen wollen, zu diesem Problem?
Ohne fantasievolle und medienwirksame Aktionen vor Ort, in Heraklion und in Athen dürfte der Protest wirkungslos bleiben. Das kann nur funktionieren, wenn sich lokale Initiativgruppen bilden, die dann zu einem großen Aktionsforum zusammenfinden. Die Argumente und die Stoßrichtung eines derartigen Protestes erscheinen evident.
Auf der juristischen Ebene müssen von Fachleuten sofort alle Verstöße gegen den Naturschutz Gesetze zur Umweltverträglichkeit von industriellen Großprojekten in der E.U.! aufgelistet, begründet werden und entsprechende Klagen bei den zuständigen Gerichten vorbereitet werden inklusive möglicher sofortiger Baustoppverfügungen!
Artikel in großen ausländischen Tageszeitungen, wie z.B. kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit der Überschrift „Umweltschutz im Kriechgang“ und der impliziten Frage: Schläft die Bevölkerung da eigentlich angesichts der unübersehbaren Probleme? dürfte es dann nicht mehr geben. Im Gegenteil: die erfolgreiche Abwehr des ökonomisch wie ökologisch nicht vertretbaren Transitcontainerhafens würde zu einem enormen und weltweit respektierten Imagegewinn für die gesamte Region und ihrer dort lebenden aufgeklärten und mutigen Bevölkerung führen.
Christos Scholzakis, September 2006
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